Freitag, 5. Juli 2013

„Was richtige Armut bedeutet“: Ein Jahr in Peru

SCHALKSMÜHLE - Abitur und jetzt Abenteuer Anden: Alexander Blümel wird für ein Jahr nach Peru ziehen. Dort wird er ein Freiwilliges Jahr in der Jugendarbeit absolvieren. Schon im August beginnt der Trip des 19-Jährigen. 


Direkt nach der Schul- die Unibank zu drücken, kam für Alexander Blümel nicht in Frage. "Ich will mich erst orientieren und mir darüber klar werden, was ich eigentlich machen will", sagt der 19-Jährige.

Obwohl er in der vergangenen drei Jahren sein Abitur an dem kaufmännischen Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver-Ostendorf gemacht hat, tendiert Blümel zurzeit in eine andere Richtung - den sozialen Bereich. "Bei Jugendfreizeiten, die ich als Betreuer begleitet habe, habe ich gemerkt, dass ich in dieser Arbeit aufgehe." Unter anderem begleitete Blümel Konfirmations- und Sommerfreizeiten der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück. Darüber hinaus ist der 19-Jährige beim CVJM Kreisverband aktiv. "Ich bin Christ", sagt Alexander Blümel bestimmt. Seine Erfahrungen in der Jugendarbeit und sein Glaube sind zwei Dinge, die ihn bei der Entscheidung für den Freiwilligendienst  bewogen haben, sich für eine Stelle in der Kinder- und Jugendarbeit bei der Arbeitsgemeinschaft der CVJM Deutschlands (kurz: CVJM AG) zu bewerben. Da Südamerika ihn schon immer faszinierte, entschied er, sich für das Programm in Peru zu bewerben. Der Kontinent hat für ihn etwas Geheimnisvolles - die Geschichte der Inka und Maya begeistert ihn. Außerdem wollte er in ein Land gehen, in dem Hilfe gebraucht wird. "In Deutschland klagen wir auf einem hohen Niveau. Ich will lernen, was richtige Armut bedeutet", meint Blümel.

In Peru will sich der 19-Jährige als Ausländer in einem neuen Land, das nicht zu den Industrienationen gehört, durchschlagen. Eine Aufgabe, an der er seiner Meinung nach wachsen und reifen wird. Naiv geht Alexander Blümel aber dennoch nicht vor: An der Schule hatte er drei Jahre lang Spanisch-Unterricht. Die Kenntnisse will er nach der Ankunft in der Landeshauptstadt Lima weiter ausbauen.

In Workshops auf einem ersten Vorbereitungswochenende informierte er sich über die Landesbräuche, die Einstellung der Menschen und das Verhalten in bestimmten Situationen. Blümel: "Ich möchte das Land Peru mit seiner Kultur und seinen Menschen kennenlernen, neue Freundschaften knüpfen und wissen was es heißt, unter einfachsten Umständen zu leben, um so andere Sichtweisen auf das Leben zu bekommen." Andererseits will er helfen, "Freude und Spaß in das Leben der Kinder und Jugendlichen zu bringen und ihnen das Reich Gottes näher zu bringen". 
Anders als in Deutschland steht der CVJM dort nicht primär für eine christliche Gemeinschaft, sondern für Sport- und Freizeitangebote. An diesem Punkt kommt Alexander Blümel seine Tätigkeit als Sportler entgegen: Unter anderem ist er in Schalksmühle als Handball-Schiedsrichter und seit fünf Jahren als Pressewart im SGSH Juniors aktiv. Allerdings gibt er diese Tätigkeiten wegen des Peru-Aufenthaltes auf. Wohnen wird Blümel zuerst bei einer Gastfamilie in Lima und nach einem halben Jahr in einem anderen Ort in Peru. Auskommen muss er dort mit 100 Euro im Monat. "Gemessen an den Einkommen der Familien ist das aber viel Taschengeld." Nach dem Jahr will Blümel entscheiden, wie es weiter geht. Soziale Arbeit zu studieren könnte er sich vorstellen. Auch der Bereich Journalismus käme in Frage. "Wenn ich in dem einen Jahr so in der Aufgabe aufgehe wie in den Freizeiten, werde ich die soziale Richtung einschlagen." Auswandern kommt für ihn aber definitiv nicht in Frage - "hier in der Gegend bin ich zu sehr verwurzelt". 

Das Jahr in Peru kostet viel Geld. Der Dienst wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe im Rahmen des Programms "weltwärts" unterstützt, sodass ein Großteil der Kosten übernommen wird. "Dennoch müssen wir Volontäre und der CVJM immer noch einen ordentlichen Anteil zum Kuchen zusteuern", erklärt Alexander Blümel. Daher hofft er auf Spenden, um sein Projekt zu realisieren. 

Diese sind auf das Konto von der "AG der CVJM Deutschlands" unter der Nummer: 12 10, bei der EKK Kassel, BLZ: 520 604 10 möglich. Als Vermerk ist anzugeben: "Spende Volontariat Alexander Blümel", Auftraggeber: Adresse des Spenders (für die Spendenbescheinigung). 

- Von Matthias Clever 





Donnerstag, 4. April 2013

Tag der Entscheidung


Tag der Entscheidung

Es ist der 22. Februar. Draußen vor den Türen der Geschäftsstelle der CVJM AG in Kassel schneit es schon den ganzen Tag. Die Uhrzeiger stehen ungefähr auf 17:30 Uhr und ich gucke zusammen mit zehn anderen Bewerbern auf die Tür, welche sich gleich für die Entscheidung öffnen wird. Die Stimmung ist mittlerweile nicht mehr fröhlich sondern angespannt. Zulange – die ersten seit 13:30 Uhr – sitzen wir schon zusammen, unterhalten uns, lernen uns kennen und wachsen als Gruppe zusammen, während immer zwei von uns zum Bewerbungsgespräch gebeten werden. Die Gewissheit, dass mindestens einer von uns nicht genommen werden kann, ist deshalb sehr bedrückend. Für mich sind die mir vorher völlig Fremden längst keine Mitbewerber mehr, sondern Teil eines Teams, mit dem ich unbedingt meinen großen Traum leben möchte.
 Die Tür geht auf. Zwei von uns werden herein gebeten. Ich warte mit den anderen weiter vor der Tür. Wenig später kommen die Beiden nach draußen – niedergeschlagen. Im Vorbeigehen sagt uns einer der Beiden, dass wir genommen sind – sie nicht. Ich gucke in die Gesichter der Anderen. Keiner freut sich. Ich habe grade die Nachricht bekommen, für die ich die letzten Wochen täglich gebetet habe, aber kann mich nicht freuen. Nun werden auch wir in den angrenzenden Raum gelassen. Die Gesichter klaren beim Ein oder Anderen langsam auf, während wir uns nebeneinander in eine Reihe stellen. Und da kommt die Botschaft auch offiziell: Ihr fahrt für ein Jahr nach Peru! Jetzt ist sie auch bei allen endgültig da - die Freude. Es folgen Glückwünsche und Telefonate in die Heimat, doch begriffen habe ich mein Glück noch nicht. 
Wir brechen schließlich auf zum Weltweit-Wochenende der CVJM AG, das eine halbe Autostunde entfernt unserer erster Vorbereitungstermin sein wird. Gestaltet wird das Wochenende vornehmlich von den alten Peru-Volontären, die uns ausgiebig über ihre Erfahrungen berichten und sich jederzeit mit Fragen löchern lassen. Von unseren „Vorgesetzten“, die wir längst duzen, bekommen wir alle weiteren wichtigen Infos und so langsam aber sicher realisiere auch ich, dass Peru nichts mehr im Wege steht. Die ersten Peruaner habe ich indes auch schon kennen gelernt, da auf dem Weltweit-Wochenende auch Deutschland-Volontäre aus Peru, Togo, Kolumbien, Slowakei und der Ukraine vertreten sind. Und, so viel kann ich schon sagen, die offene, spontane und lustige peruanische Art gefällt mir sehr gut. So sind es meist die Peruaner Diego und Victor, die zwischen oder während des Programms, welches unter anderem aus Workshops, Gottesdienst oder Lobpreis besteht, für gute Stimmung sorgen.
 Am Sonntag nach dem Mittagessen beginnt dann leider die Heimfahrt. Meine Euphorie könnte derweil größer kaum sein. Negativer Nebeneffekt: Für die in zwei beziehungsweise vier Tagen anstehenden Abitur-Vorklausuren fehlt mir jegliche Motivation zum Lernen – mit meinem Zeitplan hänge ich eh schon mindestens drei Tage hinterher. Und so holt mich der Schulalltag, spätestens aber die Ergebnisse der Vorklausuren, die, wie zu erwarten war, zum Teil weit hinter meinen Möglichkeiten liegen, auf den Boden der Tatsachen zurück.
 Jetzt aber ist die Schulzeit vorbei und ich habe genug Zeit, neben dem Lernen für das Abi meine wiederkommende Peru-Euphorie freien Lauf zu lassen und die Planung und Organisation für mein Auslandsjahr voran zu treiben.